Es ist kein Geheimnis: Ausdauer ist gut und am „Ball bleiben“ – gerade wenn es schwer wird – ein zentraler Erfolgsfaktor in so vielen Lebensgeschichten. Unser Gehirn liebt klare Strukturen, ebenso wie kluge Strategien und Entscheidungen und belohnt uns dafür mit guten Gefühlen auf dem Weg zu unseren Zielen (und noch mehr, wenn wir diese erreicht haben).
Es ist seit jeher eine trainierbare Fähigkeit, die tief in uns angelegt ist und die es uns ermöglicht, viele unserer Vorstellungen und Träume zu verwirklichen: Die erfolgreich bestandene Aus- und Weiterbildung, der berufliche Weg nach oben, soziales Engagement, Familie, langjährige Freundschaften und Beziehungen – das alles und noch so vieles mehr. Es bereichert unser Leben, erfüllt es mit Sinn, lässt uns grossartig sein!
Wenn uns das Seil, an dem wir ziehen, festhält
Jetzt stellen Sie sich bitte folgendes vor: Ihr Alltag fühlt sich seit geraumer Zeit wie Tauziehen an. Auf der anderen Seite des Seils zerren übergrosse Kräfte- vielleicht ein Projekt, das blockiert ist oder wird, eine erschöpfte Freundschaft oder Beziehung, ein Job, der Sie aushöhlt, ein Lebensplan, der nicht mehr aufgeht. Was, wenn trotz aller Bemühungen am Ende des Tages nur noch Mühe übrig bleibt? Es fühlt sich vielleicht schon länger wie ein riesiger Felsbrocken an, der sich keinen Millimeter bewegt – egal, wie Sie sich ins Zeug legen. Erschöpft drehen Sie sich zu Ihren Mitstreitern um, fordern Sie auf, sich ebenfalls ins Zeug zu legen und stellen fest, ausser Ihnen ist da keiner mehr.
Manchmal ist das Mutigste, was Sie tun können, die Hände zu öffnen und loszulassen. Nicht weil Sie schwach sind – sondern weil Sie klug genug sind, einen Weg zu erkennen, der sich wieder richtig für Sie anfühlt.

Vom Durchhalten und Aushalten
Die Psychologin Veronika Brandstätter von der Universität Zürich nennt dieses Phänomen «exzessive Persistenz» – überbordende Ausdauer, die uns nicht voranbringt, sondern festhält. Wenn wir ein Ziel ins Visier nehmen, schaltet unser Gehirn auf Autopilot-Modus, wir konzentrieren uns auf das vermeintlich Wesentliche. Erfolgsmeldungen werden überbewertet, Rückschläge ausgeblendet, Zweifel systematisch unterdrückt.
Eine weitere Erklärung finden wir in der „Sunk Cost Fallacy“ – dem „versunkenen Kosten Trugschluss “ (Prospect-Theorie, Kahneman & Tversky, 1979, 2002). Sie beschreibt die Tendenz, an einer Entscheidung festzuhalten, obwohl sie sich als nachteilig herausstellt, nur weil bereits erhebliche irreparable Investitionen wie Zeit, Geld oder Mühe getätigt wurden. Aus dieser eindimensionalen Bewertung „wenn ich jetzt aufgeben, verliere ich alles, was ich investiert habe“ und unserer „Verlustaversion“ erklärt sich so manches irrationale Handeln.
Ist es also unser biologisches Schicksal und somit unabänderbar? Müssen wir zwangsläufig in „B“ weiter investieren, nur weil „A“ schon soviel Ressourcen verschlungen hat? Was, wenn sich „A“ grundlegend verändert, oder wenn sich unsere Interessen verschoben haben? Ist es dann nicht ratsam oder sogar entscheidend, dass wir eine Neubewertung, eine Strategieänderung in Betracht ziehen, bevor wir nach Plan und wie gehabt „B» durchziehen? Wir könnten durch Innehalten und Neubewertung ja auch zu dem Schluss kommen, dass der bisherige auch der zukünftige weg sein soll. Ebenso dürfen wir uns die Freiheit nehmen das „A“ neu zu bewerten.
Das Seil loszulassen bedeutet nicht zwangsläufig das Spiel zu verlieren. Es bedeutet aber ganz sicher, die Hände für etwas Neues frei zu haben
Die gute Nachricht lautet: Wir sind diesem Kreislauf nicht hilflos ausgeliefert und loslassen in diesem Fall keine Willensschwäche. Es ist eine Fähigkeit – und Sie können diese entwickeln. Es ist wie so vieles im Leben eine Frage von günstigen, funktionierenden Strategien und genau das ist die Kernidee hinter dem Stressdompteur-Ansatz: Sie selbst sind derjenige, der seinen Stress versteht, erkennt und verändern kann. Niemand sonst. Und bloss keine Angst: Loslassen muss nicht immer ein radikaler Schnitt sein. Oft genügt es, Ansprüche zu justieren, Verantwortung abzugeben, ein Ziel neu zu definieren. Statt den ganzen Garten zu bestellen, ein Hochbeet anlegen. Statt zu kündigen, Aufgaben umverteilen. Manchmal ist ein behutsames Lockerlassen mehr wert als ein dramatischer Absprung.
Ihr nächster Schritt: Kopf frei für’s Leben
Wenn Sie beim Lesen dieses Beitrags innerlich genickt haben – wenn Sie spüren, dass Sie an etwas festhalten, das Sie mehr kostet als es Ihnen gibt – dann ist das kein Zufall. Es ist ein Signal. Und Signale verdienen Ihre Aufmerksamkeit.
In meinen Seminaren «Kopf frei für’s Leben – Seminare für Stressbewältigung und mehr Zufriedenheit» arbeiten wir gemeinsam daran, Stress nicht zu bekämpfen, sondern zu verstehen – und die Kraft und Fähigkeit zu entwickeln, bewusst loszulassen, neu auszurichten und (wieder) mit mehr Leichtigkeit durchs Leben zu gehen.
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Text: Stressdompteur®, 2026






